Tag 110-113: Deutsche Bucht

von Franz am 21.09.2019 / in Allgemein

Dies ist die Woche, wo ich seit Rendsburg immer früh aufstehe. Ich bekomme jeden Sonnenaufgang mit, muss immer wieder aber feststellen, dass ich nicht der erste und einzige bin, der sich mit dem Schiff schon so früh auf den Weg macht.

Wie im letzten Blog berichtet, war es die richtige Entscheidung einen Tag in Rendsburg zu bleiben. Am Abend und am folgenden Tag berichtete das Radio nur von umgeknickten Bäumen, Behinderungen im Straßen- und Schienenverkehr und überspülten Parkplätzen an der Elbe.

Am Mittwoch ging es dann durch den Nordostsee-Kanal Richtung Westen nach Brunsbüttel. Auf der Hintour hatten wir keine Gelegenheit uns Brunsbüttel anzuschauen. Deshalb wollte ich am frühen Nachmittag dort sein, um mir den Ort anzuschauen. Der Wecker stand auf kurz nach sechs und um sieben machte ich mich dann auf den Weg. Auf dem NOK gab es nicht viel berichtenswertes zu sehen. Aber ich glaube einen Fischadler gesehen zu haben, der seine Kreise über den Kanal zog. Ansonsten gab es die üblichen Begegnungen mit den größeren Frachtschiffen.

Immer wieder spannend, wenn man so nah an so einem Pott vorbeifährt

Nach gut 36 sm konnte ich dann schon um 14 Uhr im kleinen Sportboothafen in Brunsbüttel anlegen. Im Gegensatz zum Juni, waren deutlich mehr Plätze frei und ich konnte einen guten Platz an der Pier bekommen. Ich hatte Glück, direkt neben an, gab es einen Bauernmarkt incl. Musikprogramm und ich konnte ein leckeres Matjesbrötchen dort essen. Dann hatte ich mich noch etwas im Ort umgeschaut, kann aber nicht sagen, dass ich begeistert war. Ein paar Geschäfte, ein gut sortierter Edeka, sonst viele kleine Häuser die vom Hafen, den naheliegenden Raffinerianlagen, der Elbe und dem NOK eingeschlossen sind. Aber ich hatte einen guten, ruhigen und dazu noch rechten preiswerten Liegeplatz. Was will man mehr?

Direkt am Steg der Bauernmarkt mit Musik

Am nächsten Tag sollte es dann weiter nach Cuxhaven gehen. Da ich die Gezeiten nutzen und mit Beginn der Ebbe starten wollte, hieß es wieder früh aufstehen. Vorher musste ich aber noch durch die Schleuse. Da hatte ich jedoch Glück. Um 7 Uhr konnte ich in die Nordkammer als letztes Schiff einfahren und wurde zusammen mit zwei kleinen Schubverbänden und einem weiteren Segler geschleust und war schon nach einer viertel Stunde wieder aus der Schleuse. Dann ging es mit zunächst schwachem Wind die Elbe abwärts.

Sonnenaufgang an der Elbe

Der Wind frischte jedoch schnell auf und ich konnte erleben, was es heißt, wenn Wind gegen Strom steht. Dann baut sich nämlich schnelle eine Welle auf und wie ich nachher erfahren hatte, ist das Stück zwischen Brunsbüttel und Cuxhaven berühmt, berüchtigt für das kabbelige Wasser dort. In einem Videobeitrag über das Segeln in der Elbe dort, hatte ich dann noch erfahren, dass in einem englischen Buch dieses Revier als sehr, sehr anspruchsvoll bezeichnet wird, weil die Wellen, verbunden mit dem schnellen Strom das Einlaufen in den Hafen durchaus erschweren. Ich persönlich fand es jetzt nicht ganz so schlimm, aber bei mehr Wind kann die Sache durchaus anders aussehen.

Kurz vor Cuxhaven – die See wird kabbelig

Bedingt durch das frühe Auslaufen war ich schon um 10 Uhr in Cuxhaven. Ich nutze die Gelegenheit um dort zu waschen bevor ich mir die Stadt anschaute. Cuxhaven hat mir mit seiner Hafenpromenade, dem Lotsenviertel und der Innenstadt gut gefallen. Bemerkenswert ist, dass die Besucher der Hafenpromenade über Lautsprecher informiert werden, welche Schiffe gerade die Elbe befahren. So kann auch der „nicht Seemann“ etwas über die Schiffe erfahren. Mir persönlich hat dann noch der einzig in Europa existierte Semaphor gefallen, der die Schifffahrt über die Windverhältnisse in Borkum und Helgoland informiert.

Auf der Hinfahrt waren wir direkt von Norderney nach Cuxhaven gesegelt, weil Helgoland aufgrund der Nordseeregatta überfüllt war. Nun wollte ich auf dem Rückweg in Helgoland einen Abstecher machen.
Auch hier hieß es wieder wegen der Tide früh aufstehen und nach dem Tanken ging es um 6:40 Uhr los. Das verbilligte Tanken war auf Helgoland aufgrund von Umbaumaßahmen nicht möglich. Dadurch, dass man mit dem ablaufenden Wasser fährt, ist man natürlich recht flott unterwegs und um 14 Uhr war ich schon im Hafen von Helgoland. Leider musste ich dreimal einen freien Liegeplatz anlaufen. Beim ersten stellte sich heraus, dass dieser doch reserviert war. Beim zweiten schickte mich der Hafenmeister weg, weil der für größere Schiffe vorgesehen war und beim dritten Platz konnte ich dann endlich festmachen. Vor über 50 Jahren war ich das letzte Mal auf Helgoland und ich kann mich noch daran erinnern, dass mir kurz vor der Insel auf dem Schiff schlecht geworden ist. Diesmal war es nicht so. Es gab zwar vor der Insel wieder etwas Welle, aber scheinbar habe mich mittlerweile daran gewöhnt. Auch wenn der Hafenmeister mir einen anderen Platz zuwies, war ich doch über seine sehr offene und freundliche Art höchst erfreut. Er gab mir Tipps zum Anlegen bei nächsten Mal, was ich unbedingt auf der Insel sehen sollte und wann ich am besten nach Norderney auslaufen sollte. Das ist immer wieder hilfreich und toll, wenn man von den Einheimischen diese Tipps bekommt. Insbesondere dann, wenn man spürt, dass sie das richtig gerne machen.
Ein besonderes Erlebnis war dann der Besuch der Vogelkolonie an der Nordspitze der Insel, wo sich auch die lange Anna, der markante Felsen der Insel, befindet. Dort haben mehrere Hundert Seevögel ihre Nistplätze. Insbesondere konnte man zu den Basstölpen (bis zum Greifen nahe) herankommen und die Tiere beobachten. Das war wirklich ganz toll. Darüber hinaus kann man in Helgoland ohne Mehrwertsteuer einkaufen. Das Angebot an divers Alkoholika und andere Artikel war dementsprechend groß, aber ich hatte keine große Lust zum shoppen und hatte somit einiges an Geld gespart.

Keine 2 Meter waren diese Basstölpel von mir entfernt

Das Wahrzeichen von Helgoland, die lange Anna

Am nächsten Tag ging es wieder früh los. Bei Sonnenaufgang war ich schon auf dem Weg nach Norderney. Aus meiner Sicht war erstaunlich wenig Schiffverkehr unterwegs zu sehen. Es gab einige Ankerlieger vor der Weser, aber sonst hatte ich nicht viele Schiffe gesehen. Dafür konnte ich gegen Mittag endlich mal wieder das Ölzeug ausziehen. Fast den ganzen Tag hatte die Sonne geschienen und die Temperaturen kletterten auf bis zu 20 Grad. Das hatte ich die letzten Tage nicht mehr gehabt. Zwischenzeitlich gab es dann noch Besuch von einem kleinen Piepmatz, der sich auf seinen Weg nach Helgoland wohl etwas ausruhen musste. Er blieb rund eine halbe Stunde an Bord, bevor er sich dann weiter zur Insel aufmachte.

Kurze Verschnaufpause für diesen kleinen

In Norderney hatte ich dann relaxt und etwas eingekauft. Ein größere Inseltour hatte ich mir geschenkt. Morgen soll es dann weitergehen. Ob ich in Borkum Station mache oder gleich weiterfahren, werde ich wohl spontan entscheiden. Auf jeden Fall wird der Wecker um halb sechs klingeln.

2 Kommentare

  • Frank aus Köln says:

    Wow – mal eben enhand nach Helgoland – nicht schlecht!
    Der Wind dreht jetzt doch langsam auf südwestliche Sektoren, komm gut nach Hause / Heeg.
    Wir sind schon aufgeregt – wahrscheinlich haben wir zum ersten Mal seit langem Wind in Holland.
    Beste Grüße
    Frank

    • Franz says:

      Hallo Frank,
      also nach Helgoland wollte ich immer schon mal. Beim letzten Mal war ich, glaube ich, 9 Jahre alt.
      Es lohnt sich auf alle Fälle und es hört sich schlimmer an, als es, zumindest bei mir, ist.
      Vielleicht wächst man auch mit seinen Herausforderungen? 😉

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