Tag 105-109: Wieder in Deutschland

von Franz am 17.09.2019 / in Allgemein

Heute am Dienstag sitze ich morgens im Salon. Draußen regnet es immer wieder, der Wind heult in der Saling. Das Radio hat schwere Sturmböen angekündigt. Da bin ich froh hier im warmen und trocknen zu sitzen.
Gestern hatte ich schweren Herzens Renate in Kiel am Bahnhof verabschiedet. Sie wollte noch für ein paar Tage zu ihrer Mutter nach Fulda fahren und wir hatten besprochen, dass ich das Boot einhand über die Nordsee zum Ijsselmeer nach Lemmer bringe. Natürlich nur dann, wenn der Wind mitspielt. Das tut er aber gerade nicht. Ich hoffe, dass die nächsten Tage etwas besser werden.

Wir hatten noch zwei schöne Segeltage in Dänemark gehabt. Der Wetterbericht hatte am Vorabend in Dageløkke angekündigt, dass wir für den nächsten Tag 4-5 zunehmend 6 Bf aus Nordwest haben werden. Das war insofern gut, weil wir geschützt durch die Insel Fünen mit raumen Wind Richtung Marstal zur Insel Aero segeln konnten. Und wie vorhergesagt kam dann auch der Wind. Nur unter Genua sind wir dann Richtung Rudøbing gesegelt. Wie gedacht gab es kaum Wellen und wir waren recht schnell unterwegs. Das lag unter anderem auch daran, dass es in der Landenge zwischen Fünen und Langeland einen Strom von 1-1½ kn gab, der uns gut mitnahm. Nur die letzte Stunde wurde es dann noch etwas ruppig. Wie angekündigt frischte der Wind auf 6 Bf auf und wir mussten den Kurs ändern, so dass wir nun hoch am Wind segelten. Aufgrund des Windes konnten wir jedoch den Kurs nicht halten und fuhren schließlich unter Motor durch das sehr enge Fahrwasser nach Marstal.

Entspanntes Segel nach Marstal

Die Insel Ærø ist in Sicht, der Wind nimmt zu

Unser Liegeplatz in Dageløkke – die nächsten Häfen werden voraussichtlich nicht mehr so leer sein

In Dageløkke waren wir das einzige Gastboot im Hafen, in Marstal sah es anders aus. Hier erwartete uns ein sehr großer Segelhafen, in dem noch einiges los war. Der Ychthafen war gut ausgestattet und wirk konnten noch einmal waschen. Marstal selbst hatte uns sehr gut gefallen. Wie in vielen anderen dänischen Orten gab es verwinkelte Gassen mit bunten, kleinen Häuschen. Gerne hätten wir uns auch das Schifffahrtsmuseum angeschaut, aber dafür hatten wir leider nicht genug Zeit. Für die Kirche von Marstal, die mitten im Ort liegt, nahmen wir uns aber Zeit. Der Innenraum mit seinen blauen Bänken, die an Meerwellen erinnern können, sowie die vielen Schiffsmodelle und Leuchter, die von der Decke hängen, zeugen von der langen Seefahrtstradition, die dieser Ort hat.

Der Innenraum der Kriche in Marstal. Sie hat mit die meisten Schiffsmodelle in Dänemark.

Am nächsten Morgen sollte es dann in die Kieler Bucht gehen. Vorher hatten wir aber noch unerwarteterweise ein kleines Geschenk von unserem deutschen Bootsnachbarn, dessen Namen wir leider nicht mehr wissen, bekommen. Er wollte sich bei uns bedanken, dass wir ihm als Einhandsegler, beim Anlegen geholfen haben, war für uns eine Selbstverständlichkeit ist. Er gab uns zwei Steine, die sich bei näherem Betrachten als Teile von versteinerten Seeigeln erwiesen. Nach seiner Aussage sind diese zwischen 60-80 Millionen Jahre alt. Er ist Hobbysammler von Fossilien und hatte diese ganz in der Nähe vom Hafen von Marstal gefunden. Über sein Geschenk hatten wir uns sehr gefreut. Das wäre nicht nötig gewesen. Eben rüber gehen und beim Anlegen helfen, das macht man als Segler. Beim nächsten Mal ist man selbst in der Situation und ist froh über jemanden, der einem an Land hilft.

Fossile Seeigel – 60 – 80 Millionen Jahre alt

Wir waren jetzt schon an einigen Stränden in der Ostsee geesen, aber solche Steine, auch wenn sie dort gelegen hätten, wären uns nicht aufgefallen. Um so schöner ist es, wenn wir diese beiden jetzt als Erinnerungstücke an die Ostsee mit nach Hause bringen können.

Nach einem herzlichen Dankeschön ging es dann um 8 Uhr morgens los Richtung Kieler Förde. Es lagen gute 30 Seemeilen vor uns und ein frischer Wind aus West brachte uns gut voran.

Auslaufen aus Marstal – bald wird mehr Wind kommen

Wie schon im Juni war das Speergebiet vor Putlos durch eine Marineübung gesperrt. Der lebhafte Funkverkehr ließ uns daran teilhaben, dass wohl einige Sportschiffer nicht auf das Sperrgebiet geachtet hatten und teilweise mit einer sehr bestimmten Ansage aufgefordert wurden, dass Speergebiet umgehend zu verlassen. Zum Glück lag das Speergebiet nicht auf unserem Weg und wir konnten ganz entspannt weitersegeln. Als wir dann zum Leuchtturm Kiel kamen, nahm der Schiffsverkehr deutlich zu und zum ersten Mal seit unserem Start sahen wir weit über 100 Segelschiffe, die in der Außenförde unterwegs waren. Wir hatten uns entschlossen nicht ganz bis nach Kiel hinein zu segeln. Wir wählten den Jachthafen Strande, der direkt neben dem Olympiahafen Schilksee liegt, um dort die Nacht zu verbringen. Nach 85 Tagen betraten wir wieder deutschen Boden. Es war schon ein komisches Gefühl, zumal für Renate damit die Reise zu Ende ging. Es ist Seemannsbrauch, dass man am letzten Tag einer Reise alle Gastlandsflaggen setzt, deren Länder man besucht hatte. Bei uns waren es insgesamt neun Flaggen. Neben Holland, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden und Dänemark hatten wir noch die Flagge der Ålands gesetzt, weil es üblich ist die Flagge der autonomen Region Åland zu setzen und nicht die von Finnland.

Am letzten Tag – die Gastlandsflaggen sind gesetzt

Am Sonntag hatten wir dann das Boot bei Regen und schlechter Sicht noch nach Kiel Düsterbrook verholt, weil der Hafen näher am Bahnhof liegt. Dann hieß es das Boot aufräumen und die Reisetasche packen. Am Nachmittag hatten wir Glück uns noch zwei Rennen der Segelbundesliga bei einem leckeren Fischbrötchen anzuschauen. Keine 500 Meter entfernt fand die Veranstaltung statt und wir konnten die spannenden Wettkämpfe mit guter Sicht an Land verfolgen.

Am Montag war es dann soweit. Morgens um 10 Uhr verabschiedete ich Renate am Bahnhof. Nachdem wir in den letzten 100 Tagen oft mit weniger als 6 kn gesegelt sind, fuhr sie nun mit einer für sie ungewohnten hohen Geschwindigkeit mit dem Zug in den Süden, während ich mich für die Fahrt durch den NOK (Nord-Ostsee-Kanal) fertig machte. Einhandsegeln ist für mich nicht ganz neu, aber es doch was anderes, wenn man alleine ist und keine weitere Hand zur Verfügung hat.
Das Passieren der Schleuse war unproblematisch, obwohl die Schleuse mit einem Schleppverband, einem Frachter, einem Minenjagdtboot der Marine, zwei Traditionsseglern und vier weiteren Segeljachten recht gut gefüllt war. Danach ging es dann in das gut 30 km entfernte Städtchen Rendsburg, wo ich im Yachthafen des Regatta Vereins Rendsburg festgemacht hatte.

In der Schleuse Holtenau

Begegnung der 3. Art im NOK?

Mittlerweile bin ich mit dem Schreiben von diesem Blog fast am Ende. Das Radio meldet, dass an der Elbe erste Uferstraßen überspült werden. Die My Dream bewegt sich nun auch etwas im Hafen, obwohl wir hier recht gut geschützt liegen. Meine Hoffnung ist, dass wie angekündigt der Wind in den nächsten Tagen schwächer wird und ich wie geplant den Weg nach Holland antreten kann. Wie es ausgeht, werdet ihr im nächsten Blog lesen können.

 

2 Kommentare

  • Frank aus Köln says:

    Tolle Tour – und jetzt ist etwas Traurigkeit spürbar. Ihr Beide habt das super gemacht!
    Freue mich darauf bald merh von Euch direkt zu hören.
    Beste Grüße
    Frank

    • Franz says:

      Hallo Frank,
      in der Tat es ist und war eine tolle Tour. Jetzt liegt noch die Nordsee vor mir und dann geht es wieder nach Holland.
      Wer weiß, vielleicht komme in Heek vorbei, wenn ihr dort mit den Jollen unterwegs seid?

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