Tag 91-94: Gefangen auf Bornholm

von Franz am 05.09.2019 / in Allgemein

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Jetzt haben wir schon drei Monate auf My Dream verbracht und es gefällt uns immer noch sehr gut! Was uns aber zurzeit nicht so gut gefällt, ist das Wetter. Seit mehreren Tagen sitzen wir nun auf Bornholm fest. Wir haben überwiegend westliche Winde, meist 5-6 Bf und dazu gibt es dann noch gute Wellen. Da unsere Hauptrichtung West, Südwest ist, passt es einfach nicht, die 80 Seemeilen bis nach Klintholm auf der dänischen Insel Møn gegen an zu bolzen. Ein Ablaufen nach Schweden oder nach Rügen haben wir mehrfach durchgespielt, aber für uns keine befriedigende Lösung gefunden.

Windy hat für die nächsten Tage keine guten Aussichten für uns

Ganz so traurig sind wir dennoch nicht, da Bornholm eine wunderschöne Insel ist und es viel zu sehen gibt.
Von der schwedischen Klippeninsel Utklippan ging es zunächst zu den sogenannten Erbseninseln. Das ist eine sehr kleine Inselgruppe, die ca. 8 sm östlich von Bornholm liegt und wie Bornholm zu Dänemark gehört. Es standen wieder 40 sm auf dem Programm, die es zu bewältigen gab und dementsprechend früh hatten wir die Leinen los und uns mit südlichem Kurs auf den Weg dorthin gemacht. Vorher hatten wir aber noch einen kurzen Stopp eingelegt, um die Seehunde, die auf einer vorgelagerten Insel von Utklippan zu finden sind, zu sehen.

Die Seehunde bei Utklippan

Anschließend ging es weiter mit mäßigem Wind. Gegen Mittag wurde es immer diesiger und die Sicht verringerte sich dramatisch. Da wir im Bereich des Schifffahrtsweges von Dänemark nach Schweden waren, mussten wir besonders aufpassen. Und in der Tat zweimal tauchte plötzlich und unvermittelt ein Frachter aus dem Dunst auf. Da kann das Herz schon mal in die Hose rutschen, wenn unvermittelt so ein Monstrum an einem vorbeizieht. Zum Glück lagen wir nicht auf Kollisionskurs und nach wenigen Minuten waren die Schiffe dann auch wieder im Dunst verschwunden. Es zeigte uns jedoch, dass wir da höllisch aufpassen mussten.
Nach zwei Stunden hatte sich der Dunst wieder gelichtet und am Nachmittag nahm der Wind mehr oder weniger von jetzt auf gleich deutlich zu, so dass wir reffen und die Segel verkleinern mussten. Am Spätnachmittag liefen wir in den Südhafen von Christiansø, der größten Insel von den Erbseninseln, ein. Wir hatten Glück und konnten den letzten freien Platz an der Mole, bevor man ins Päckchen musste, ergattern.

Soweit wir informiert sind, kamen die Kanonen nur einmal zum Einsatz

Am nächsten Morgen waren wir eins der letzten Boote, die die Erbseninseln verlassen hatten

Die Inselgruppe ist wirklich bezaubernd. Es ist wie in einem Museumsdorf und man hat das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. Die dänischen Könige hatten die Inselgruppe im 17. und 18. Jahrhundert als Militärhafen ausbauen lassen und aus den Inseln eine Festung gemacht. Die meisten Wohnhäuser stehen noch, nur leben heutzutage dort keine Soldaten mehr. Die rund 80 Einwohner leben im Wesentlichen von den Tagestouristen, die für ein paar Stunden mit der Fähre von Gudhjem übersetzen und den Seglern, die dort im Hafen festmachen. Den Namen Erbseninseln hatte die Inselgruppe bekommen, weil sie aus Sicht der Bornhomler nicht größer als Erbsen sind. Und in der Tat, in drei Stunden kann man die beiden Hauptinseln Christiansø und Frederiksø gemütlich umrunden und hat noch ausreichend Zeit etwas einzukaufen oder auf der Terrasse des einzigen Gasthofs zu verweilen. Wir hatten dort eine schöne Zeit verbracht, die mit zwei kleinen Erlebnisse angereichert wurde. Zum einen wurde ich am nächsten Vormittag von einer Polin angesprochen. Sie hatte eine kleine rote Karte in der Hand und fragte mich, ob die mir gehören würde. Ups – das war ja meine EC-Karte. Wo kommt die denn her? Und dann fiel es mir ein. Ich muss es wohl vergessen haben die Karte aus dem Kartenslot heraus zu holen, als ich am Vorabend die Hafengebühr am Automaten bezahlt hatte. Das war richtig nett von der Polin mir die Karte zurück zu geben. Es zeigt sich immer wieder, das Segelvolk hilft sich untereinander, dass ist richtig prima. Ich wollte mich noch mit einer Flasche Wein bedanken, aber bis ich diese aus dem Vorschiff herausgekramt hatte, hatten die Polen mit ihrem Boot leider schon abgelegt, schade.

Diese Brücke verbindet Christiansø und Frederiksø

Das andere Erlebnis war kurz danach. Ich wurde von einer Dänin angesprochen, ob wir sie mit nach Bornholm nehmen könnten? Sie sei Lehrerin, hatte in Frankreich schon mal gesegelt und würde sich freuen, wenn wir sie mitnehmen könnten. Ich dachte mir nichts dabei und nach einer kurzen Rücksprache mit Renate sagten wir ihr zu. Um 13:00 Uhr wären wir bereiten und sie könnte mit uns nach Gudhjem segeln. Kurz vor eins war sie da und wir waren dabei das Boot für die Abfahrt vorzubereiten. Auf einmal kam die Wirtin vom hiesigen Gasthof zu uns und sagte uns, dass sie die Polizei rufen würde, wenn wir mit der Frau den Hafen verlassen würden. Oh, was war das denn? Offensichtlich hatte unsere Passagierin nicht den vollen Betrag für ihre Übernachtung in dem Gasthof bezahlt und die Wirtin hatte Angst, dass sie um das restliche Geld geprellt würde. Unsere Passagierin stellte es anders da. Sie hätte eine schriftliche Vereinbarung mit der Wirtin geschlossen, die besagt, dass sie den ausstehenden Betrag später überweisen würde. Ich bat die Lehrerin unser Boot zu verlassen und die Differenz mit der Wirtin nicht bei uns an Bord zu klären. Nach wenigen Minuten kam sie dann mit einem Mann zurück. Dieser sagte uns, dass er kein Problem darin sähe, wenn die Lehrerin mit uns fahren würde. Auf meine Rückfrage wie er zu dieser Erkenntnis käme, antwortete er, dass er der hiesige Dorfpolizist sei und die Vereinbarung, die die Lehrerin mit der Wirtin hat, gültig ist und er nichts unternehmen würde, wenn wir sie mitnehmen würden. Nun lag es an uns. Nehmen wir die Lehrerin mit oder nicht? Wir haben etwas überlegt und uns dann aber letztendlich entschlossen sie mitzunehmen. Sollen wir oder sollen wir nicht? Einige andere Segler, die dies mitbekamen, schüttelten mit dem Kopf. Ich finde es ab nicht gut, wenn man gegenüber anderen nur noch misstrauisch ist und nicht hilft, wo man es kann.

Die Wirtin von diesem Gasthof befürchtete, dass sie das Geld für die Übernachtung nicht bekommt

Die Überfahrt mit der Lehrerin verlief dann ganz entspannt und in Gudhjem ging sie, nachdem sie sich für die Mitnahme bedankt hatte, von Bord.
Von den Erbseninseln waren wir ja schon begeistert, aber was wir dann alles noch auf Bornholm erlebten war auch nicht schlecht.

Klein und gemütlich, der Hafen von Gudhjem

Gudhjem ist ein sehr kleiner Fährhafen, in dem noch einige Yachten anlegen können. Wir hatten einen wunderschönen Liegeplatz mit Blick auf den Hafen. Am Abend konnten wir der Livemusik aus der nahe gelegenen Kneipe zuhören und am Morgen wurden wir überrascht, als die erste Fähre nach Christiansø von einem Chor mit dänischen Seefahrtsliedern verabschiedet wurde.

Musikalische Verabschiedung des Fährschiffs durch einen Chor

Es scheint, dass hier die Welt noch in Ordnung ist

Es war wieder Zeit einen Hafentag einzulegen und wir nutzten die Zeit, um mit den Rädern zu einer den wenigen dänischen Rundkirchen zu fahren und das Bornholmer Kunstmuseum zu besuchen. Bei strahlendem Wetter ging es durch die Bornholmer Hügellandschaft und nach einer guten Stunde waren wir bei der Rundkirche. Das Gebäude wurde im 12. Jahrhundert als Wehrkirche erbaut, um der Bevölkerung bei Gefahr eine Zufluchtsstätte zu bieten. Das Dach hat die Kirche erst bekommen, als sie die Bedeutung als Festung verloren hatte. Die Kirche liegt ca. 7 km von der Küste entfernt, eingebettet zwischen Wiesen und Äckern.

Die Østerlars Rundkirke

Lecker Kaffee und Kuchen im Garten Café

Im nahegelegenen  kleinen Garten Café hatten wir dann noch eine Rast eingelegt.
Dann ging es weiter Richtung Norden zum Kunstmuseum, welches wieder an der Küste liegt. Das Museum ist nicht nur architektonisch beeindruckend, sondern hat auch eine große Sammlung von dänischen Künstlern aus verschiedenen Zeitepochen, die sehr empfehlenswert ist. Bis dahin war es ein wunderschöner Tag gewesen, allerdings wurde die Stimmung etwas gedämpft, als wir im Museums Café saßen, die Wetterapps checkten und dabei feststellen mussten, dass für die nächsten 5-10 Tage das Wetter gegen uns sein wird. Damit hatten wir nicht gerechnet. Eigentlich wollten wir noch zwei bis drei andere Häfen auf Bornholm anlaufen, bevor wir für einen kurzen Abstecher nach Ystad in Schweden übersetzen würden. Wenn wir nicht auf Bornholm eingeweht werden wollten, müssten wir am Folgetag direkt nach Schweden übersetzen. Aber es kam anders, als wir es uns dachten.

Das Bornholmer Kunstmuseum ist einen Besuch wert

Auf den zweiten Blick ist der Früchtetisch im Museum nicht mehr ganz so appetitlich

Ursprünglich hatten wir vor, uns mit Elke und Piet von der Seesack in Allinge zu treffen, nun aber standen wir am Sonntag früh auf, um nach Schweden zu segeln. Am Vorabend hieß es noch in der Vorhersage, südliche Winde bei 4 Bf. Am Morgen hatten wir beim Auslaufen südliche Winde mit der Prognose auf West drehend und zunehmend. Damit war es fraglich, ob wir unsern Zielhafen Trelleborg noch erreichen konnten. Nach dem Auslaufen stellten wir schon fest, dass der Wind immer mehr auf West drehte. Da wir östlich von Bornholm die Küste entlang segelten, hatten wir kaum Welle vom aktuellen Wind, aber noch die abklingenden Wellen, die aus Südosten ankamen. Nur unter Genua hatten wir 6 kn auf der Logge und es machte Spaß so zu segeln. Wie würde es aber sein, wenn wir die Nordspitze rundeten und dann der Wind von vorne käme? Stundenlang gegen an, nein das wollten wir nicht. Deswegen entschlossen wir uns kurzfristig nach Allinge zu fahren, dass nur 7 sm von Gudhjem entfernt war. Im Hafen war noch viel Platz und wir bekamen ein Plätzchen direkt neben der Seesack von Elke und Piet. Sie hatten schon mit uns gerechnet, weil sie zu den gleichen Überlegungen gekommen waren, wie wir.
Nachdem die beiden uns beim Anlegen geholfen hatten, fragten sie uns, ob wir auch einen Einbürgerungsantrag stellen wollten? Schließlich würden wir noch mehre Tage dort liegen blieben. Nun ich konnte es nicht glauben, schließlich änderte das Wetter schnell, aber die Wetterprognose blieb diesmal stabil.

Erst dachten wir, so ein Mist, jetzt sind wir hier gefangen, aber es stellte sich heraus, dass es viel zu sehen gab.

Nach dem Schauer stellte sich Allinge in einem guten Licht dar

Zum einen gibt es bronzezeitliche Steinritzungen, die gute 3000 Jahre alt sind und die man in wenigen Minuten von Hafen fußläufig erreichen kann. Diese hatten wir uns dann auch noch am gleichen Tag angeschaut.

Bronzezeitliche Felsritzungen

… und hier noch andere, die man ohne Eintritt in der Natur betrachten kann

Am Folgetag hatten wir eine Wanderung vor. Es ging zunächst einmal nach Hammershus, der größten Burgruine im nordischen Raum, die auf der Westseite der Insel steht. Auf den Weg dorthin hatten wir weitere Felsritzungen gesehen und als wir an der Küste ankamen, waren wir froh nicht gesegelt zu sein. Die Wellen waren bis zu 2 Meter hoch, mit vielen Schaumkronen und ordentlichem Wind. Das muss man nicht unbedingt haben. In der Nähe von der Ruine liegt ein kleiner Hafen zu dem wir gegangen sind. Dort hatten wir Gelegenheit einer 45 Fuß Yacht beim Auslaufen zuschauen. Die hatte ordentlich zu kämpfen und die Crew hatte dann auch schnell abgedreht. Aus unserer Sicht hatten wir alles richtig gemacht und wir wurden mit einer fantastischen Wanderung belohnt, die uns auf dem Rückweg entlang der Nordspitze nach Allinge führte und uns immer wieder zu grandiosen Ausblicken brachte.

Gegen an bei den Wellen und das über mehrere Stunden macht zu zweit keinen Spass

Die Idee mit der Einbürgerung von Elke und Piet war nicht schlecht. Jeden Abend debattierten wir darüber, wie sich das Wetter entwickeln würde. Wie sich herzustellen wird, werden es noch ein paar Tage sein, bis wir uns wieder auf den Weg machen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.