Tag 76-79: Stockholm – Eine der Traumstädte des Nordens

von Franz am 18.08.2019 / in Allgemein

So langsam merken wir, dass das Wetter sich ändert. Die Temperaturen gehen langsam runter und es nicht mehr so beständig, wie in den vorherigen Wochen. Wir wären gerne noch ein, zwei Tage in den Ålands geblieben, aber die Wetter-Apps empfahlen uns kurzfristig nach Schweden zu übersetzen, weil in den nachfolgenden Tagen der Wind mehr würde und aus der falschen Richtung, sprich Süd-West käme.

Also machten wir uns am Donnerstag bei gutem Wetter auf, um den Schlag rüber zum Festland zu machen. Zunächst hatten wir Westwind und wir wurden dadurch ein gutes Stück südlicher versetzt. Aber zum Mittag wechselte der Wind dann auf Süd und wir hatten einen guten Anlieger zum Leuchtfeuer Tjärve. Danach ging es noch ein gutes Stück in den Stockholmer Schärengarten hinein. Der Wind nahm immer mehr zu und am späten Nachmittag mussten wir dann sogar die Segelverkleinern, weil wir Wind bis 20 kn hatten und der Druck auf das Ruder und die Schräglage vom Schiff einfach zu groß wurden. Wir suchten uns einen kleinen Hafen zum Übernachten und fanden diesen in Kapellskär, wo wir im dortigen Yachthafen, mit einer garantierten Tiefe von 1,70 m festmachten. Als wir uns abends, nach 40 sm Fahrt den weiteren Verlauf für den folgenden Tag genauer anschauten, durften wir feststellen, dass wir noch einmal 40 sm bewältigen mussten, um in Stockholm anzukommen.

Das Fahrwasser in den kleiner Jachthafen von Kapellskär, eng und flach

Also hieß es am Folgetag wieder um 7 Uhr aufstehen und wie gehabt ging es zügig unserem Ziel entgegen. Gut war, dass wir weiterhin Südwind hatten und demzufolge den größten Teil unter Segel Richtung Stockholm segeln konnten. Zum Nachmittag frischte der Wind wieder auf und wir mussten wieder die Segel verkleinern. Im Gegensatz zu den anderen Hafenstädten, die wir kennengelernt hatten, trafen wir auf keine Frachter- und Handelsschiffe. Dafür kamen uns aber die großen Skandinavien-Fähren und Kreuzfahrtschiffe entgegen bzw. überholten uns, da wir im Hauptfahrwasser nach Stockholm waren. Die Schärenlandschaft, die sich uns dort bot, war irgendwie schon anders, als in den Ålands oder auch in Finnland. Deutlich mehr bewaldet, teilweise hügeliger und deutlich mehr bewohnt. Überall gab es Ferienhäuser und da konnte man sich fragen, wem gehören die alle?

Die Bebauung nimmt zu

Zusammen mit den Fährschiffen geht es Richtung Stockholm

Je näher man Stockholm kommt, um so größer werden die „Wochenendhäuser“ 😉

Am späten Nachmittag kamen wir dann in Stockholm an und machten im Wasa-Hafen direkt in der Nähe des berühmten Museums fest. In direkter Nähe ist der Vergnügungspark Gröna Lund und das Abba Museum ist auch nicht weit entfernt. Wir hatten schon befürchtet, dass es etwas zu laut im Hafen ist, aber für einen Stadthafen, war es noch in Ordnung und wir hatten die unmittelbare Nähe zu einigen wichtigen Attraktionen von Stockholm. Der Hafen ist mit 36 EUR Gebühr für Liegeplatz, Strom und Sanitäreinrichtungen etwas teurer, als die übrigen Häfen. Wir konnten dort jedoch auch umsonst die Waschmaschine in Anspruch nehmen und damit hatte sich das etwas egalisiert, da wir sonst schon mal 5 EUR für einen Waschgang bezahlt hatten.

Der Vergnügungspark Gröna Lund liegt ganz in der Nähe zum Yachthafen

Hinter dem Yachthafen liegt sofort das Vasa-Museum

Am Ankunftstag waren wir jedoch so müde, dass wir außer Abendessen nichts mehr unternommen hatten.
In diesem Zusammenhang kommen wir noch mal auf das Thema Müdigkeit zu sprechen. Wenn wir einen Segeltag haben, sind wir abends oft hundekaputt und müde. Bei einem Hafentag ist das nicht so. Woran kann das liegen?
Wir haben eine mögliche Antwort von einer benachbarten Seglerin bekommen. Auch, wenn man meint, dass man beim Segeln nur sitzt und sich nicht bewegt, ist es nicht so. Dadurch, dass das Schiff durch die Wellen geht, versucht der Körper die Schwankungen auszugleichen. Auch, wenn die Bewegungen nur minimal sind, dadurch, dass man sie den ganzen Tag vornimmt, müssen die Muskeln doch einiges leisten und deswegen ist man abends müde. Das ist für uns nachvollziehbar und erklärt, warum wir mal müde und mal fitter am Abend sind.

Am Samstag ging es dann aber auf Entdeckungstour. An dem Wochenende war ein Kulturfest in Stockholm angesagt und mehrere große und auch kleinere Bühnen waren aufgebaut. Aber zunächst schauten wir uns die Highlights, wie Schloss, Reichstag, Theater, Oper und Altstadt an.

Der schwedische Reichstag

Palastwache am Schloss, ob die Majestäten da waren, war uns nicht bekannt

Die schwedische Akademie der Wissenschaften – Nobel Preis Museum

Wir hatten uns dann doch eher für einen Kaffee entschieden

Zum Nachmittag zog es uns dann aber zum Kulturfestival. Zunächst machten wir bei einem Tanzevent mit, hörten uns schwedische Kinderlieder incl. Pipi Langstrumpf an, sahen Trachtentänzern zu und waren zum Schluss ganz fasziniert, dass wir Musiker auf einem Stück Rasen fanden, die dort in unterschiedlichen Gruppen miteinander traditionelle Volksweisen spielten. Dabei waren die Gruppen nicht fest zueinander geordnet, sondern im permanenten Wechsel beschäftigt.

Tanzen mit dem Publikum – und wir hatten mitgemacht

Spontanes Musizieren, ohne Noten, nur nach dem Gehör – toll

Abends hatten wir dann noch einen Blick in den Freizeitpark Gröna Lund geworfen, aufgrund der dortigen Preise uns das Treiben aber nur von außen angeschaut.

Am Sonntag ging es dann zunächst ins Vasa-Museum. Wir kennen jetzt schon einige Schifffahrtsmuseen, aber das Vasa-Museum ist etwas ganz Besonderes. Vor knapp 400 Jahren lief die Vasa, das größte Kriegsschiff zu damaliger Zeit zu ihrer Jungfernfahrt aus und sank nach 20 Minuten, weil einige leichte Böen das Schiff zum Kentern brachten. Der Grund war, dass der Schwerpunkt des Schiffes zu hoch war und die Stückforten des Schiffs geöffnet waren, so das Wasser in das Schiff eindrang, als es sich auf die Seite legte und somit zum Kentern brachte. Über 350 Jahre konservierte das brackige Hafenwasser den Schiffsrumpf und in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts war es den Schweden gelungen, das Schiff zu heben und nach vielen Jahren der Restauration in einem Museum auszustellen. Wir waren gute 3 Stunden im Museum und haben viel über das Schiff und die damalige Zeit gelernt.

Die Vasa, am 10. August 1628 bei ihrer Jungfernfahrt nach 20 min gesunken

Wie geht ein altes Segelschiff durch den Wind? Hier wird es erklärt.

Am Nachmittag haben wir dann noch, abseits von den üblichen Touristenwegen die Stadt erkundet und waren u.a. im Konzerthaus, der Philharmonie, die auch gleichzeitig der Ort ist, wo die Nobelpreise jedes Jahr überreicht werden. Wir hatten das Glück, dass dort im Foyer ein Minikonzert von jungen Musikhochschulabsolventinnen gegeben wurde und wir exzellenter klassischen Musik lauschen konnten.

Vielsagende Skulptur in der Innenstadt

Leider kündigte sich für den Abend Dauerregen an, so dass wir diesen an Bord des Schiffs verbrachten.

 

Am ersten Abend gab es an Bord das typische schwedische Gericht Köttbullar.
Am nächsten Abend gab es bei uns an Bord, dass Gericht am liebsten in Schweden gegessen wird – Spaghetti Bolognese

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