Tag 72-75: Die Ålands – einfach nur schön

von Franz am 14.08.2019 / in Allgemein

Vor drei Jahren waren wir bereits mit einem kleinen gecharterten Segelboot in den Ålands gewesen und hatten uns in die Inselgruppe verliebt.
Die Ålands ist ein Archipel von gut 6.000 benannten Inseln und ca. 20.000 unbenannten Inseln. Sie liegen zwischen Schweden und Finnland, gehören zu Finnland, es wird aber überwiegend Schwedisch gesprochen und die Region hat einen autonomen Status. Von den rund 25.000 Einwohnern wohnen knapp 12.000 in der Landeshauptstadt Mariehamn. D.h. der Rest verteilt sich auf die übrigen Inseln und dementsprechend schwach besiedelt ist es dort. Und dennoch hat man nahezu überall Handyempfang! Und was wirklich toll ist, die Ålands weisen die meisten Sonnenstunden im Norden auf und kommen im Jahr auf gut 19.000 Stunden. Und das haben wir vor drei Jahren erlebt und jetzt noch einmal. Während es in Schweden oder Finnland regnet, scheint dort die Sonne. Da es fast immer Wind gibt, wird es nicht so heiß, aber die T-Shirts konnten wir dennoch tragen.

Die kleine Marina – Sandvik Gästhamn

Das Begrüßungsschild, wenn man von der Straße aus kommt.

Unser erster Anlaufpunkt war die Insel Kökar, die im südöstlichen Bereich der Ålands liegt. Wir merkten in dem kleinen Hafen Sandvik, dass die Saison schon weit fortgeschritten war, entsprechend wenige Boote, eine gute Handvoll hatte mit uns dort festgemacht. Auch auf dem angeschlossenen Campingplatz gab es nur eine deutsche Familie, die dort noch ihren Urlaub verbrachten. Für den Folgetag war schlechteres Wetter mit stärkerem Wind vorhergesagt gewesen. Deswegen hatten wir uns entschlossen dort einen Hafentag einzulegen, was überhaupt kein Fehler war. Der vorhergesagte Regen, hatte sich entschlossen, eher in Schweden zu bleiben und wir nutzten den Tag, um mit den Rädern etwas einzukaufen und die Gegend zu erkunden. Dabei stießen wir auf die Überreste eines bronzezeitlichen Dorfes im inneren der Insel. Die Archäologen vermuten, dass von gut 3000 Jahren Jäger von der polnischen Küste mit ihren Booten dort überwinterten, um im Frühjahr auf Robbenjagt zu gehen. Die Überreste des Dorfes lagen in einem kleinen geschützten Tal und mit etwas Phantasie konnte man sich vorstellen, wie es dort damals ausgesehen hatte. Wir standen dort mit unseren Handys und machten Fotos, wo vor 3.000 Jahren die Jäger in ihren Hütten saßen. Vor allem wenn man bedenkt, mit welchen Nussschalen müssen diese damals über die Ostsee gefahren sein, um dort zu jagen? – Unfassbar.

Die Steinkreise zeigen die Lage der ursprünglichen Hütten der Robbenjäger vor 3000 Jahren an

Den Abend hatten wir dann noch genutzt, um die dortige Sauna auszuprobieren, was unheimlich gutgetan hat.

Von der Sauna bis in die Ostsee waren es nur wenige Schritte – brrrrrr, es war schon etwas frisch, ab so schöööööön

Nebensaision – kaum noch Boote im Hafen

Am nächsten Tag sollte es zur Insel Degerö gehen. Sowohl in der Karte als auch im Åland-Hafenführer war ein Fahrweg eingezeichnet und wir dachten, dass es eher ein kurzer Trip wird. Der Wind war mit 4-5 Bf etwas frisch, aber da er aus Südwesten kam und wir einen eher nördlichen Kurs hatten, sollte eigentlich alles gut gehen. Da Kökar am Rand der Ålands liegt, hatten wir zu Beginn noch etwas Welle, die von der offenen Ostsee kam. Aber nach guten 1 ½ Stunden war wir von vielen Inseln gut geschützt unterwegs. Vor uns segelte noch ein Schwede und wir brauchten ihm nur zu folgen. Als wir dann in einen kanalähnlichen Bereich kamen, sahen wir, dass der Schwede eine gute Seemeile vor uns die Segel barg, wendete und uns entgegenkam. Wir dachten uns noch nichts dabei, er kam jedoch direkt auf uns zugefahren und in Rufweite hörte wir von ihm, dass wir auf eine Brücke zufahren würden. Brücke – wieso? Davon wussten wir nichts. Es wurde noch mal in der Karte geschaut und richtig, wenn man es sich genau anschaute, war dort, zwar bescheiden, aber immerhin eine Brücke eingezeichnet. So ein Mist. Warum ist uns das nicht aufgefallen? Wir wendeten und mussten uns dann einen neuen Weg nach Degerö suchen. Nordöstlich von Degerö gab es dann einen anderen Weg, den wir nehmen konnten. Dort gab dann zum Glück an einer entscheidenden Stelle zwischen zwei Inseln keine Brücke, sondern nur eine Fähre. Das Fahrwasser wurde mit 1,80 Meter angezeigt, sollte damit für uns noch ausreichend sein. Wir fuhren dennoch entsprechend vorsichtig und an den flachen Stellen ging der Tiefenmesser bis auf 2,50 Meter runter. Auch wenn der Umweg uns gute 3 Stunden zusätzliche Fahrzeit eingebracht hatte, war es doch sehr schön, weil es landschaftlich so reizvoll war.
Auch in Degerby auf Degerö lagen abends nur drei weitere Yachten mit uns. Rückblickend betrachtet, hätten wir noch genauer auf die Karte achten sollen. Wir dachten, der „dick“ eingezeichnete Weg wäre frei, dem war nicht so. Wir hatten aber einen Trost, dieser Fehler ist nicht nur uns unterlaufen, zumindest der Schwede vor uns, hatte wohl ähnlich gedacht. Wie gut, dass er uns Bescheid gesagt hatte.

Manchmal kann man die Leute beneiden, die so ein Häuschen am Wasser haben 😉

Briefkästen an der Straße mal schon gestaltet, mal weniger schön. Hier besonders schön.

Nach Degerby ging es dann am nächsten Tag zur Landeshauptstadt, nach Mariehamn. Auch hier hatte uns der Wind mit gutem raumem Wind zu unserem Ziel gebracht. Mariehamn kannten wir vom letzten Besuch und entsprechend freuten wir uns auf ein Wiedersehen. Einen weiteren Hafentag planten wir ein, schließlich gab es noch einiges zu sehen, was wir noch nicht kannten bzw. was wir noch mal sehen wollten.
Mariehamn hat zwei Yachthäfen, den West- und den Osthafen, die durch eine sehr lange Landzunge voneinander getrennt sind und man eine Fahrtzeit von 2-3 Stunden einplanen muss, um von den einen in den anderen Hafen zu gelangen. Wobei man die guten 1000 Meter zwischen den Häfen, zu Fuß in gut 20 Minuten meistern kann.

Wohin soll es gehen? – New York, Kap Horn oder doch zur Pommern?

Wir hatten uns entschieden in den Osthafen zu gehen, weil der etwas näher zur Innenstadt liegt. Neben der kleinen, netten Innenstadt, stand die Pommern auf dem Programm, die im Westhafen liegt. Das Schiff ist eines der letzten legendären 4 Mast Rahseglern. Darüber hinaus sahen wir uns eine historische Schiffswerft an, wo noch heute Segelschiffe nach historischen Plänen und mit alten Techniken gebaut werden. Darüber hinaus standen noch einige Parkanlagen auf dem Programm, die wir ebenfalls noch nicht kannten. Somit gab es für uns genug zu sehen und ich bin mir sicher, dass wir nochmal wiederkommen werden. Die Ålands sind einfach zu schön und das sagen nicht nur wir, dass haben wir ebenso von Schweden und insbesondere von Finnen gehört, die eigentlich über die Autonomie der Ålands nicht ganz so begeistert sein dürften.

Der Westhafen liegt in Nachbarschaft zur 4-Mast-Bark Pommern

Abistreich am Gymnasium von Mariehamn?

Alles in Handarbeit – Bau eines neuen Segelschiffes nach alten Bauplänen

Nach 11 Wochen – unser erstes Rindersteak – wir hatten einen Heißhunger darauf

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