Tag 70-71: Die finnischen Schären

von Franz / am 11.08.2019 / in Allgemein

Bislang hatten wir schon tolle Tage mit vielen Highlights gehabt, aber die landschaftlichen Höhepunkte kommen mit Finnland, den Ålands und sicherlich auch mit Schweden. Dass die Ålands einen ganz besonderen Reiz haben, konnten wir schon vor drei Jahren genießen, als wir dort unseren Segelurlaub für 3 Wochen verbracht hatten. Aber die finnischen Schären, soweit wir sie gesehen haben, sind ähnlich fantastisch. Navigationstechnisch muss man schon sehr aufpassen und es ist sehr hilfreich, dass wir neben den Papierkarten noch einen Plotter zur Hand haben.

Als wir am Donnerstagmorgen den Hafen von Hanko verlassen hatten, ging es zunächst zur nahegelegenen Insel Tullholmen. Die Insel ist deswegen einen Besuch wert, weil in den letzten 400 Jahren Seefahrer, die auf günstigen Wind warteten, was damals auch ein paar Wochen dauern konnte, Nachrichten und Zeichnungen in den Felsen gehauen haben. Es sollen sich auf die Insel ca. 600 Inschriften befinden, von denen wir bei weitem nicht alle gesehen haben. Hinzukommt, dass durch die Witterung, diese nicht immer leicht zu finden und zu lesen sind. Nichts desto trotz war es aufregend und spannend auf dem kleinen Eiland, das eigentlich nur ein großer Felsen ist, umherzustreichen und nach den Inschriften zu suchen.

Kleiner Steg zum Anlegen an Tullholmen

 

 

 

 

 

Inschriften der Seefahrer, teilweise über 300 Jahre alt

Danach ging es weiter Richtung Westen und es war gut, dass in den Karten und auf dem Plotter Fahrwasser unterschiedlicher Größe eingezeichnet waren, denen man folgen konnte. Die Empfehlung im Allgemeinen ist, das Fahrwasser nicht zu verlassen, da nicht alle Steine und Untiefen eingetragen sind. Das dieser Hinweis durchaus Sinn macht, sollten wir später noch erfahren.

Ausschnitt von den finnischen Seekarten. Viele Insel, Steine – und die mit „T“ gezeichnet, sind unter der Wasserlinie

Das Wetter war im Großen und Ganzen gut, schließlich war es warm genug, dass kurze Hose und T-Shirt angesagt waren. Es zogen sich zwar auch ein paar Wolken zusammen, aber das aufkommende Gewitter zog an uns vorbei und wir haben den Sonnenschein genossen. Zeitweise kam es uns vor, als wären wir in Kroatien, in der dortigen Inselwelt und den Kornaten, nur dass es hier in Finnland deutlich mehr Inseln und unzählige Steine und Felsen gibt, die aus dem Wasser ragen.
Zum späten Nachmittag haben wir die Insel Vänö angelaufen. Dort gab es einen Steg, wo man mit Heckboje festmachen konnte. Es gab Strom, ein Plumpsklo und ein kleines Cafè. Leider lag die im Führer angegebene Sauna 1,4 km entfernt und einen Hafenmeister gab es auch nicht. Die Liegeplatzgebühr sollte man in einen bereitgestellten Briefkasten hineinschmeißen, was wir natürlich gemacht haben. In dem kleinen Café haben wir uns dann erstmal gestärkt und waren angenehm überrascht, weil wir für zweimal Kaffee und Kuchen insgesamt 8,50 EUR bezahlten. Der Kuchen war lecker und wir saßen gemütlich auf der Terrasse in der Sonne und genossen die Landschaft. Es kamen dann noch zwei, drei weitere Boote in den kleinen Hafen. Einer der Bootseigner fing dann an zu fischen. Während wir zu Abend aßen konnten wir ihn beim Fischen beobachten. So was hatten wir noch nicht gesehen. Fast jeder Minute hatte er einen Fisch an der Angel und sein Eimer füllte sich sehr schnell. Nach dem Abendessen hatte Renate ein kurzes Pläuschen mit dem Petrijünger und hat ihm dabei zu seinem Erfolg gratuliert. Das hat sich gelohnt, denn eine gute halbe Stunde später haben wir fertig vorbereitete Fischfilets geschenkt bekommen. Er hätte so viele davon, das würden seine Frau und er nicht schaffen. Wir haben uns über diesen „Beifang“ natürlich sehr gefreut und uns mit einer Flasche Riesling von der Mosel bedankt. So waren beide Parteien glücklich und das nächste leckere Abendessen war gesichert.

Der kleine Hafen in Vänö, einfach knuffig – In den kleinen Briefkasten steckt man die Liegeplatzgebühren

 Bilder wie aus dem Bilderbuch

Idylle pur

Fisch vom finnischen Motorbootsnachbar, einfach so

Wir wollten eigentlich noch einen Tag länger in den finnischen Schären bleiben, aber es hatten sich für die Folgetage Starkwind und Regen angekündigt. Deshalb entschlossen wir uns, gute 40 sm bis nach Kögar, einer der ersten größeren Inseln in den Ålands mit „etwas mehr“ Infrastruktur, zu segeln.

Bei traumhaftem Wetter ging es los und nach gut zwei Stunden konnten wir dann auch den Gennaker setzen, der uns dann größtenteils zu unserem Ziel brachte.

Morgens um 8 ist die Welt in  Ordnung

später dann mit Gennaker unter wegs

Gute 10 sm vor unserem Ziel entschlossen wir uns, das Hauptfahrwasser zu verlassen und eine „Abkürzung“ zu nehmen. Laut Karte hätten wir 20 Meter Wassertiefe gehabt, solange wir nicht zu nah die vorliegenden Inseln kamen. Ein anderes Segelboot hatte mit einigem Abstand vor uns den gleichen Kurs gesetzt und ein weiteres Boot folgte uns. So verkehrt konnte da der Weg, den wir eingeschlagen hatten, nicht sein; dachten wir zumindest. Kurz vor der engsten Stelle, südlich von der kleinen Insel Sandskär nahm jedoch die Wassertiefe plötzlich innerhalb weniger Meter ab. 10, 8, 6, Meter wurden angezeigt und die Tiefe nahm weiter ab. Das Herz rutschte uns in die Hose und wir waren drauf und dran unverzüglich unter Segel zu wenden. Zum Glück hörte bei 3,90 Meter der Tiefenmesser auf und zeigte bald auch schon wieder andere, sprich tiefere Tiefen an. Da konnten wir dann erstmal durchschnaufen. Danach stellte ich dann in einem anderen Kartensatz, der dieses Gebiet auch abdeckte, fest, dass wir durch einen Bereich gesegelt waren, der noch nicht komplett vermessen war. Diese Info hätte ich mir früher gewünscht, zumal beim Kartenprogramm Navionics und der anderen Seekarte, dies so nicht eingetragen war. Dieses Ereignis hatte uns gelehrt, noch vorsichtiger zu sein und möglichst die Fahrwasser nicht zu verlassen.

Kurz danach konnten wir in das Fahrwasser nördlich der Insel Hellsö einbiegen und machten dann bald in Sandvik auf der Insel Kökar fest. Wir waren in den Ålands angekommen.
Zum Abend gab es dann noch den Fisch, den wir von den freundlichen Finnen bekommen hatten. Er schmeckte super!

Der Fisch sieht nicht nur in der Pfanne gut aus

Er schmeckt auch gut!

 

 

4 Kommentare

  • Brigitte u. Reiner Müller says:

    Hallo ihr zwei,
    Michael hat mir euren Blog zugeschickt.
    Da habt ihr aber schon schöne und spannende Sachen erlebt.
    Tolle Bilder und Berichte.
    Wir wünschen auch weiterhin eine phantastische Zeit und immer einen
    guten Wind mit einer Handbreit Wasser unterm Kiel.
    Liebe Grüße von Brigitte & Reiner

  • Markus Birkenfeld says:

    Der Fisch sieht grandios aus. Kriege richtig Hunger.
    Liebe Grüße Markus

    • Franz says:

      Hi Markus,
      der sah nicht nur gut aus, der war auch noch sehr lecker😊
      Vielleicht fangt ihr ja einen bei eurer Tour?
      Viele Grüße aus den schwedischen Schären.

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