Tag 61- 63: Auf Wiedersehen in Lettland – Willkommen in Estland

von Franz am 03.08.2019 / in Allgemein

Wir hatten eine superschöne Zeit in Riga und ich bin mir sicher, dass wir noch einmal wiederkommen werden.
In Riga hatten wir ja noch den Öl- und Filterwechsel, der von einem professionellen Mechaniker durchgeführt wurde. Da wollen wir hoffen, dass der Motor diese Kur entsprechend positiv aufnimmt und uns auch weiterhin treue Dienste leistet.
Die Friseurtermine, die wir hatten, waren ähnlich gut verlaufen und nach einem abendlichen Abschlussspaziergang zum Freiheitsmonument, wollten wir uns am Folgetag nach Skulte, einer kleinen Hafenstadt am Rigaer Meerbusen, aufmachen. Wie gewohnt, standen wir früh auf und legten kurz vor Acht ab.

Ein Relikt aus der Zeit der Sowjetunion – Das Freiheitsmonument – Zur Befreiung der deutschen Besatzung von 1941 – 1944

Wir hofften, dass der Wind aus nordwestlicher Richtung, wie vorhergesagt, kommen würde. Dem war aber nicht so. Die guten 6 sm bis zur Mündung in die Ostsee gingen unter Motor dann noch ganz gut. Als wir jedoch dann die Hafenausfahrt verlassen hatten, kam der Wind aus Nordost, mit 4-5 Bf  und es hatte sich eine unangenehme Welle aufgebaut. Wir überlegten, ob wir uns dass die nächsten 20 sm, gegenan mit übler Welle, antun wollten und kamen schnell zu dem Endschluss, dass es das nicht ist, was wir uns wünschen. Also ging es zurück und wir fuhren in die nahegelegenen Auda Marina. Die Marina, die in einem Industriegebiet liegt, war jetzt kein Highlight, aber wir konnten dort gut und billig (10 EUR) liegen. Wir entschlossen uns dann, den Tag mit einem ausgedehnten Spaziergang am Strand zu verbringen und haben die Zeit an einem fast menschenleeren Ort sehr gut verbracht.

Naturstrand – keine 10 km von Riga entfernt

kein Mensch weit und breit

Für den Folgetag nahmen wir uns vor, nicht mehr Skulte anzulaufen, sondern weiter in Richtung Lettischer Grenze zu fahren. Der nächste Hafen, der sich anbot, war Salacgriva. Dieser lag gute 40 sm entfernt und war somit eine ausgefüllte Tagestour entfernt. Nach der Hafenausfahrt konnten wir die Segel setzen, den Kurs festlegen und nach 40 sm die Segel bergen, ohne großartig den Kurs geändert zu haben. Der Wind kam aus der richtigen Richtung und somit ging es entspannt nach Salacgriva. Der Ort selber war jetzt nicht spektakulär. Der kleine Jachthafen war noch mehr oder weniger im Entstehen begriffen und so konnten wir umsonst, aber dafür ohne Wasser und Strom, übernachten. Im nahegelegenen Supermarkt deckten wir uns noch einmal mit Lebensmitteln ein, weil wir nicht wussten, wie es mit der Versorgung in Estland ist.

Am nächsten Tag ging es dann nach Estland. Unser nächstes Ziel sollte die Insel Kihnu sein. Auch hier hatten wir wieder bestes Segelwetter. Allerdings mussten wir ganz zum Schluss, noch einen Kreuzschlag machen, um den kleinen Fährhafen anlaufen zu können.
Quasi mit dem „Überschreiten der Grenze“ veränderte sich auch die Landschaft. Während wir in Lettland überwiegend Küstenlandschaften hatten mit Sandstränden und Wäldern in Hintergrund, empfing uns Estland mit größeren und kleineren Inseln.
Der Fährhafen von Kihnu war, als wir ankamen, noch relativ leer, aber zum Abend waren dann sogar vier deutsche Schiffe da. Seit Polen hatten wir so eine Ansammlung von Deutschen nicht mehr gehabt.
Neben der landschaftlichen Veränderung hatte sich auch das Wetter verändert. Am Wochenende in Riga hatten wir noch Temperaturen von bis zu 30 Grad, ein paar Tage später fiel das Thermometer ordentlich. Morgens hatten wir schon kühle 12 Grad und zum Nachmittag stieg die Temperatur dann langsam auf 20 Grad, um dann abends wieder schnell abzufallen. Da hieß es dann, die kurzen Hosen und T-Shirts, gegen Pullover und Ölzeug auf See einzutauschen.

Kontrast zu Riga – auf Kihnu Moped mit Beiwagen

Landestracht in Estland – leider nicht im Original gesehen

Auf Kihnu  eines der vielen alten Gehöfte

Am Abend waren wir schon eine kleine deutsche Kolonie – 4 Boote mit Schwarz, Rot, Gold

Wir wurden gefragt, ob wir noch etwas zur Technik vom Schiff schreiben können. Nun, dass ist nicht so einfach und sicherlich immer sehr subjektiv. Unsere Bavaria hat eine Länge von 30 Fuß und ist fast immer das kleinste Schiff im Hafen. Die Yachten, die wir sonst so sehen, aus Finnland, Schweden und Deutschland, sind meist größer, so zwischen 35 und 45 Fuß und haben deutlich weniger Jahre auf den Buckel, als unsere My Dream. Auch auf See kann man sich schlecht vergleichen. Da Länge bekannt läuft, sind die meisten Boote auch schneller als wir. Ein echter Vergleich ist aber schwer, da wir ohnehin gerade in Lettland und jetzt auch in Estland nur 2-3 Boote den ganzen Tag über auf der offenen See sehen. Ob ein Flügelkiel gut oder schlecht ist, kann ich nicht wirklich beantworten. Ich vermute, dass man mit einem größeren Tiefgang, etwas mehr Höhe laufen kann – sprich höher am Wind fahren kann. Aber bei so einer Tour, wie wir sie machen, kommt es, zumindest aus unserer Sicht, nicht auf diese Werte an. Ob wir eine halbe Stunde früher oder später im Zielhafen sind, ist uns egal. Wir fahren schließlich keine Regatta.
Ein geringer Tiefgang von 1,45 m ermöglicht uns hingehen Häfen oder Orte anzulaufen, wo andere abwinken und sagen müssen, da können wir nicht hin.
Was sich auch aus meiner Sicht gelohnt hat, ist das neue Großsegel. Das alte hatte keine Latten und war schon etwas „weich“. Unser neues hingegen ist durchgelattet und das bringt ein ordentliches Segelprofil und ich denke, dass man das auch beim Segeln merkt.
Darüber hinaus gibt es andere Details, die uns wichtig sind. Wir hatten den Tiefenmesser, die Logge und den Windmesser sowie den das Navi erneuert und das ist für uns ein deutlicher Mehrgewinn. Insbesondere dadurch, dass wir das Navi aus der Kajüte herausgeholt und ins Cockpit unter die Sprayhood gestellt haben.
Ein anderer deutlicher Gewinn ist, und das hat mit dem Segeln im Eigentlichen nichts zu tun, dass wir uns zum Gaskocher noch eine elektrische Kochplatte sowie einen elektrischen Wasserkocher angeschafft hatten. Diese Dinge sind ständig im Einsatz. Ob zum Kochen, unserer One-Pott-Gerichte, davon hatten wir ja schon berichtet, oder um Wasser zu erhitzen, sind diese Geräte ein echter Mehrwert. Insbesondere dadurch, dass wir uns nicht immer umschauen müssen, wo wir unsere blauen Campinggas-Flaschen tauschen können. Wir haben immer noch die erste Flasche im Gebrauch und vermutlich müssen wir die Reserveflasche erst in Holland wieder tauschen.
Ein anderer Gewinn ist die Kuchenbude. Wir sind unendlich froh, dass wir die sie haben, weil sich dadurch der Lebensraum auf dem Boot vergrößert und wir fast ausschließlich „draußen“ im Cockpit sitzen. Im Salon vom Schiff haben wir meines Wissens nach nur ein mal in Holland seit den letzten 2 Monaten gesessen.
Abschließend möchte ich noch auf die Ruderanlage zu sprechen kommen. Wir haben im Gegensatz zu den größeren Booten eine Pinnen- statt einer Radsteuerung. Der Vorteil ist, dass wir im Hafen mehr Platz im Cockpit haben, weil wir die Pinne hochstellen können und somit kein störendes Steuerrad dort haben. Auch beim Segeln kann der Steuermann(frau) etwas geschützter sitzen, wenn er die Pinne hält.
Allerdings vermute ich, dass der Autopilot bei einer Ruderanlage besser und länger genutzt werden kann, als bei einer Pinnensteuerung. Unser Autopilot ist zumindest ab Windstärke 3 überfordert und kommt schnell an seien Grenzen, was wir auch von anderen Seglern gehört haben. Aber so ist es nun mal. Nicht alles ist optimal und jeder setzt seine Bewertung unterschiedlich. Wichtig ist, dass man persönlich mit dem Boot zufrieden ist. Und das können wir aus vollem Herzen behaupten.
Auch wenn das Boot vielleicht etwas klein ist, wir bereuen ist nicht, gekauft zu haben.

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