Tag 50-54: Rigaer Meerbusen

von Franz am 24.07.2019 / in Allgemein

Rigaer Meerbusen – der Begriff hört sich etwas anzüglich an. Man hätte ja auch Rigaer Bucht schreiben können, wie es im englischen „Bay of Riga“ verwendet wird? Aber in der Seekarte stehen drei Bezeichnungen „Rigas Juras Licis“, „Bay of Riga“ und halt „Rigaer Meerbusen“, also muss es auch richtig sein.
Wie berichtet, waren wir die Nacht von Freitag auf Samstag in Möntu (Estland) und machten uns morgens kurz vor acht auf den Weg in den besagten Meerbusen. Es standen wieder gut 40 Seemeilen an und die Wettervorhersage versprach uns westliche Winde 2-3 und den ganzen Tag Sonnenschein; also perfekt für einen südlich gerichteten Kurs.

Mit schwachem Wind verließen wir den Hafen und konnten bald schon die Segel setzen. Gegen Mittag waren wir dann beim Leuchtturm Kolka, dem nördlichsten Punkt der Kurlande und liefen in die Bay of Riga ein. Und wieder einmal hatte sich gezeigt, dass der Wind an so einer Landspitze zunimmt und hat man die Spitze passiert, dreht er meistens. So auch hier, allerdings war er nicht zu stark. Dafür konnten wir dann für gute 2 Stunden den Gennaker nach langer Zeit mal wieder benutzen, was mir zumindest, besondere Freude bereitete. Leider schlief zum Schluss, bevor wir unseren Zielhafen Roja erreichten, der Wind komplett ein. Wir mussten dann den Motor einsetzen, damit er uns dorthin brachte, wohin wir wollten.

Der kleine Jachthafen von Roja

Krasts = Küste vom Rigaer Meerbusen

Roja ist ein kleiner Fischereihafen mit einer kleiner Marina. Wir hatten Glück und konnten direkt in eine freie Box einfahren, ohne großartig noch zu manövrien. Der Hafenmeister empfing uns und die üblichen Formalitäten waren schnell erledigt. Für uns besonders erfreulich war, dass in 100 m Luftlinie von uns zwei Supermärkte waren, wo wir insbesondere unseren Wasser- und Biervorrat auffüllen konnten, ohne die vielen Liter weit schleppen zu müssen. Aber auch hier, nach einem längeren Segeltag, fielen wir kaputt und müde früh in die Koje.

Für den nächsten Tag, Sonntag, war ein Hafentag angesagt. Wir schliefen aus und frühstückten in aller Ruhe mit Eiern und Speck bei bestem Wetter in der Pflicht. Anschließend schlenderten wir etwas durch den Ort, wobei es besonders schön an der Küste war. Der südliche Küstenabschnitt hatte aufgrund einiger Findlinge schon einen nordischen Charakter wo hingegen der nördliche Bereich durch seinen naturbelassenen Sandstrand glänzte. Dort verbrachten wir dann den Nachmittag und hatten dann auch zum ersten Mal in den sieben Wochen in der Ostsee gebadet. Es gab zwar auch andere Strandbesucher, aber der Strand war nicht überlaufen und es gab auch sonst keinen typischen Trubel mit Büdchen und Verkaufsständen. Wir hatten den Eindruck, dass dort überwiegend Einheimische waren, die ihren Sonntagnachmittag am Meer verbrachten und nur sehr, sehr wenige andere Touristen, wie wir, da waren. Zum Abend hin hatte es sich dann aber etwas zugezogen und der erste Regen, der eigentlich für den Folgetag angesagt war, kam dann schon gegen acht Uhr abends. Für uns erfreulich war, dass vorher noch Anne mit ihrem Boot eingelaufen kam. Wir hatten gerade unser Abendessen so gut wie fertig und Anne hatte ihr fertiges Essen, dass nur noch warm gemacht zu werden brauchte, auch dabei, so dass wir, einen schönen, unterhaltsamen Abend in der Kuchenbude bei uns auf dem Schiff hatten, während es draußen regnete.

Am Montagmorgen ließen wir uns dann noch etwas Zeit und liefen erst gegen 11 Uhr aus. Der nächste Ort Mersrags lag nur gute 15 sm entfernt. Da konnte wir es ruhig angehen lassen. Leider hatten wir überwiegend Flaute, so dass auch hier der Motor aushelfen musste. Und dann zogen noch einmal bedrohlich Regenwolken auf.
Der Ort hatte uns nicht so gut gefallen. Das lag sicherlich zu einem an die Mücken, die scheinbar schon auf uns warteten und schon am späten Nachmittag heißhungrig auf uns zugeflogen kamen. Zum Glück war es nicht so schlimm, wie in Danzig, aber etliche von diesen kleinen Fiechern mussten das Zeitliche segnen.
Der andere Grund war die Lage, wir hatten das Gefühl in einem alten, abgewrackten kleinen Hafen zu liegen. Alles war etwas verkommen und dafür durften wir dann noch, statt den üblichen 20 EUR Liegeplatzgebühr 25 EUR bezahlen. Zu guter Letzt fing es dann noch gegen 19 Uhr an zu regnen und hörte erst am späten Abend wieder auf.

Entgegen vieler anderer Orte hat es uns hier nicht ganz so gut gefallen.

Am nächsten Tag gab es zum Frühstück dann zunächst French Toast mit Speck. Die Idee hatten wir aus einem Buch. „Wiedersehen am Café am Rande der Welt“ von John Strelecky, dass wir uns immer dann, wenn es passt, gegenseitig vorlesen. Nicht nur das Buch ist sehr interessant und regt, wie sein Vorgänger „Das Café am Rande der Welt“, zum Nachdenken, Selbstreflektion und Diskussion an. Und das French Toast, hat uns in der herzhaften Variante mit gebratenem Frühstückspeck so gut gefallen, dass wir es am Folgetag nochmals gegessen hatten.

French Toast mit Bacon – lecker!

Nach dem guten Frühstück ging es dann weitere 12 sm nach Engure. Wir hatten schwachen, raumen Wind und setzten nur den Gennaker, der uns dann sehr entspannt in den kleinen Ort Engure gebracht hat. Während der Fahrt hatten wir noch das Glück, 2-mal einen Seehund im Meer zu sehen, der kurz auftauchte und die Lage peilte. Das ist immer wieder ein tolles Erlebnis und das letzte Mal hatten wir in der Nordsee einen Seehund in freier Wildbahn gesehen.

Der Gennaker zieht und wir hatten einen entspannten Segeltag

Vor der Hafeneinfahrt kam uns der Hafenmeister im Motorboot entgegen. Er begrüßte uns freundlich meinte aber, dass die Einfahrt in den Hafen sehr flach ist und sie gerade dabei sind, diesen auszubaggern. Er fuhr uns mit seinem Motorboot vor und lotste uns sicher zum Anlegesteg. So einen Lotsenservice hatten wir auch noch nicht gehabt. War eine neue und gute Erfahrung. Der junge, freundliche Hafenmeister entschuldigte sich, dass der Hafen noch nicht vollständig ausgestattet ist und verlangte deshalb nur 10 EUR Liegeplatzgebühr. Darüber hinaus stellte er uns noch ein Stromkabel zu Verfügung, da wir  gute 50 Meter bis zum Stromkasten überbrücken mussten. Es lagen nur vier weitere Boot im Hafen, die aus unserer Sicht alles einheimische Jachten waren. Wir erkundeten dann den Ort und mussten auch dort feststellen, dass in diesem Ort mit vielleicht 1000 Einwohnern wieder gepflegte Parkanlagen waren. Im Gegensatz zu Mersrags hatte es uns dort sehr gut gefallen und aufgrund des Tipps vom Hafenmeister aßen wir zu Abend in der kleinen, gepflegten Gaststätte Buda im zugehörigen Biergarten.

Kleiner Ort – tolle Parks – die Letten haben es scheinbar gerne schön

 

Der Hafen von Engure – wir waren das einzige Boot am Steg

Der nächste Tag sollte uns dann bis kurz vor Riga bringen. Wenn man uns fragt, ist es euch nicht zu langweilig auf dem Boot, wenn ihr segelt und warum seid ihr abends immer so müde? Dann würde ich vielleicht wie folgt antworten. „Nein es ist nicht langweilig. Zum einem muss man natürlich steuern, navigieren und die Segel nach dem Wind setzen. Ansonsten gibt es auch immer was zu sehen, auch oder gerade, weil sich die Landschaft nur langsam verändert. Warum wir abends müde sind, können wir auch nicht direkt beantworten. Wir lösen uns beim Steuern ab und ansonsten kann man sich ausruhen, dösen, etwas essen oder auch mal lesen. Körperlich werden wir aber nur sehr gering gefordert. Renate meint, es ist die gute frische Luft, die wir den ganzen Tag haben, aber dass wir nach über 7 Wochen frischer Luft abends immer noch so müde sind? Ich weiß es nicht, aber vielleicht hat jemand eine Erklärung dafür?“
Wie bereits erwähnt ging es dann am Mittwoch mit achterlichem Wind in Richtung Riga. Ziel war Jurmala, eine Marina, die an der Mündung des kleinen Flusses Lielupe liegt. Die Marina liegt sehr idyllisch und bei perfektem Wetter mit angenehmen 23 Grad und strahlend blauen Himmel konnten wir am Nachmittag, wieder mal mit Heckboje, festmachen. Den Rest des Tages hatten wir mit „Chillen“ verbracht. Muss auch mal sein;-)

Jurmala hat schon mehr Liegeplätze, ab es ist sehr idyllisch

6 Kommentare

  • Dirk says:

    Hallo Franz und Renate,
    viele Grüße aus dem 40 Grad heißen Rheinland. Ab und zu Regen und frische Luft. Beneidenswert 🙂 LG Dirk

    • Franz says:

      Hi Dirk
      wir sind jetzt erst wieder online. Mittlerweile sollten bei euch die Temperaturen doch wohl auch wieder etwas erträglich sein, so hoffen wir es zumindest 😉
      Wir hatten hier am Wochenende auch 30 Grad und die Einwohner waren über die Hitze am Klagen. Jetzt sind wir aber schon wieder bei knappen 20 Grad angelangt und der Pullover liegt griffbereit.
      Viele Grüße ins Rheinland

  • willi greeven says:

    Hallo Franz und Renate,
    wird Zeit, dass ich mich auch mal melde. Toll, dass ihr nach langen Segeltagen und der Müdigkeit abends trotzdem noch regelmäßig euren Blog führt und uns ein wenig teilhaben lasst. Bisher habe ich viel über schöne Orte, weniger tolle Orte gelesen. Wie läuft’s denn so mit dem Schiff? Machen die „nur“ 140 Tiefgang keine Probleme. Wie ist überhaupt der Flügelkiel?
    Wenn ihr gelegentlich mal Zeit und Lust habt, könnt ihr ja mal drauf eingehen.
    Euch aber vor allem viel Spaß und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel!
    LG von Willi und Bärbel

    • Franz says:

      Hallo Willi, hallo Bärbel,
      es freut uns, dass ihr Spaß am Blog habt!
      Bzgl. der Fragen zum Boot, werde ich versuchen in den nächsten Berichten was zu schreiben. Sollt ihr weitere Fragen oder auch Anmerkungen haben, dass schreibt mir was. Ich freue mich darüber.
      Ich wünsche euch eine schöne Zeit und im Herbst werden wir uns sicherlich sehen.
      Viele Grüße von uns beiden
      Renate und Franz

  • Brigitte says:

    Hallo Renate und Franz,
    was die Müdigkeit angeht, schließe ich mich Renates Theorie der frischen Luft an. Wir haben im Urlaub auch immer früh im Bett gelegen, ganz unabhängig davon ob wir über die Seven Sisters gewandert oder nur durch Gärten und Städtchen gebummelt waren. Und außerdem ist Urlaub machen ja auch ganz schön anstrengend 😉
    Liebe Grüße
    Brigitte

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