Tag 42-44: Klaipeda – die kleine Perle

von Franz am 15.07.2019 / in Allgemein

Wir müssen gestehen, dass uns Klaipeda oder Memel, wie die Stadt früher hieß, zunächst nicht besonders gefallen hat. Das mag daran liegen, dass wir am Ankunftstag, als wir nachmittags die erste Runde durch die Stadt drehten, eher noch mit unserer Müdigkeit und Schlappheit zu tun hatten. Darüber hinaus hatten wir den „eigentlichen“ Stadtkern vermisst. D.h. es gab kein richtiges Stadtzentrum, mit einem zentralen Platz, Kirche, Rathaus und Geschäften, wo man merken kann, dass dort der Kern der Stadt ist. Es gab zwar Geschäfte und auch einen zentralen Theaterplatz in der Altstadt, aber es wirkte alles wie gerupft und ich hoffe, die Einwohner von Klaipeda verzeihen uns, aber so war halt unser erster Eindruck.
Auf den zweiten Blick hat uns Klaipeda dann aber doch überzeugt.
Gut, wir sind von Danzig noch etwas verwöhnt, aber man sollte auch die beiden Städte nicht miteinander vergleichen.
Wenn man von See kommt, ist das erste was man sieht, der Hafen. Dieser ist geprägt von Werften, Hafenkränen und viel Industrie. Also nicht gerade das, was man von einem netten Ort erwartet. Aber bei Danzig war es auch nicht anders.
Der Jachthafen liegt etwas versteckt und ist quasi Teil des Burggrabens einer ehemaligen Befestigungsanlage. Hinein kommt man nur, wenn die Brücke zum Hafen geöffnet wird. Das ist zu jeder vollen Stunde der Fall und statt durch einen Motor muss die Drehbrücke durch die Muskelkraft von zwei Männern bewegt werden, hinter der man dann in den kleinen Hafen gelangen kann. Dort liegt man sehr geschützt und in wenigen Minuten ist man fußläufig im Ort.

Mit Muskelkraft wird die Drehbrücke bewegt

 Der beschauliche Jachthafen mitten in der Stadt

Zugegeben, von Klaipeda oder Memel hatten wir zumindest noch nicht viel gehört, aber das „Ännchen von Tharau“, eine auf Deutsch und Litauisch nach dem Liedtext von Simon Dach oft besungene Bronzefigur, sieht man dort vor dem hiesigen Theater stehen.

Das Ännchen von Tharau

Wobei ich die Figur erst am 2. Tag gesehen hatte, denn auf dem Theaterplatz fand an dem Wochenende, wo wir dort waren, das internationale Folkfestival „LAUKSNOS“ statt. Neben Gruppen aus Litauen, waren Folkloresänger aus Albanien, Kroatien, Russland, Irland und vielen anderen Ländern vertreten. Darüber hinaus gab es viele Stände, die landestypische Produkte anboten. Das war für uns natürlich schon ein Highlight und neben der guten Musik hatten wir Elchwurst, litauischen Käse und eine Art Miniknäckebrot gekauft. (Anmerkung: Alles schmeckt super lecker)

Folklore aus Litauen, in der Grundstimmung etwas traurig, aber soooo schön!

Am zweiten Tag sind wir dann durch die Stadt gegangen und waren überrascht, dass wir fast überall im Ort Skulpturen fanden, die das Stadtbild neben den vielen Grünflächen auflockerten. Wobei uns besonders der Skulpturenpark beeindruckt hat. Aber auch der Besuch der russisch-orthodoxen Kirche war ein Highlight. Von außen erscheint die Kirche etwas bescheiden, aber von innen wird man völlig überrascht vom vergoldeten Altar, der sich über die gesamte Stirnseite des Gebäudes erstreckt, sowie über die fast schon überladenen Malereien in der Kirche.

In der Stadt gibt es hunderte von Skulputren, toll!

Die russich-orthodoxe Kirche „aller Heiligen“ in Kleipeda

Wie bereits erwähnt, ein „echtes“ Zentrum hatten wir vermisst, aber die Altstadt mit ihrem Kopfsteinpflaster sowie die zahlreichen Restaurants und Boutiquen, die überall im Ort verstreut sind, geben beim zweiten Hinschauen der Stadt ein besonderes Flair. Darüber hinaus ist es überall sehr sauber, die Menschen sind freundlich und es ist gar nicht so laut, wie in vielen anderen Städten ähnlicher Größe.

Wo et Kölsch jit, da muss et effejut sin

Jazz-Lokal in Klaipeda

Der dritte Tag war durch shoppen gekennzeichnet. Gemäß der Aussage auf der Internetseite ist das Akropolis Shoppingcenter, dass größte seiner Art im Baltikum. Neben 250 Geschäften beherbergt es eine Schlittschuhbahn, ein Kino und einen sehr großen Supermarkt, in dem man nahezu alles kaufen kann. Da unser Akku-Handstaubsauger vom Discounter den Geist aufgegeben hatte, machten wir uns zu Fuß auf den Weg in das ca. 3 km entfernte Shoppingcenter. Vorbei an alten Plattenbauten und kleinen Einfamilienhäusern, die in vielen Fällen renoviert waren, war der Weg dorthin recht kurzweilig.
Das Center war schon wirklich groß und wir hatten uns zunächst in einem der vielen Restaurants gestärkt, bevor wir die Mall erkundeten. In einem Elektroladen fanden wir schnell einen Ersatz für unseren Handstaubsauger und dann hatten wir noch für kleines Geld Jeans, T-Shirts und Sportschuhe erstanden, bevor wir im Supermarkt noch etwas für’s Abendessen eingekauft hatten. (Anmerkung 2: Die Preise für Klamotten, Essen und Trinken und andere Dinge des Lebens, sind in Polen, Litauen und vermutlich auch in den anderen baltischen Staaten deutlich günstiger als bei uns in Deutschland. Schon aus diesem Grunde lohnt sich ein Besuch in den Ländern) Vollbepackt ging es dann zurück zum Boot, wo wir den Abend ausklingen ließen.

Eindruck aus dem Akropolis Shopping-Center

Friseursalon mit Riesenaquarium in der Shopping-Mall

Am Montag hieß es dann um 7:00 Uhr wieder aufstehen, denn wir wollten die erste Brückenöffnung um 8:00 Uhr mitnehmen. Schließlich lag unser nächstes Ziel Liepaja 56 sm entfernt und wir rechneten mit ca. 12 Stunden Reisezeit. Damit war unser Intermezzo in Litauen auch schon beendet, denn Liepaja liegt bereits in Lettland.

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