Tag 39-41: Klaipeda?

von Franz am 13.07.2019 / in Allgemein

Als wir die Tour planten, hatten wir immer gesagt, dass wir kein festes Ziel haben, sondern der Wind und das Wetter die Tour weitgehend bestimmen werden. Aber eigentlich hatten wir schon ein Ziel, die Baltischen Staaten. Bis nach Danzig hatten wir es geschafft, nur das Wetter hatte uns in der Danziger Bucht etwas festgehalten. Als wir uns dann am Mittwoch auf den Weg nach Klaipeda machten, mussten wir nach gut 3 Stunden umkehren und abends stand dann für uns fest, wir fahren dort nicht hin, sondern segeln die polnische Küste zurück und dann nach Schweden. Aber, es kam anders und die Aufs und Abs werde ich versuchen hier zu beschreiben.
Wie berichtet, lagen wir in der Marina von Sopot und hatten dort auch eine gute Zeit, nur das Wetter wurde zunehmend schlechter. Der Montag, obwohl anders angekündigt, war im Nachhinein ein kompletter Regentag. Die Wetterapps hatten zwar jedes Mal, wenn wir dort nachschauten, angekündigt, dass das Regenband, an dessen Rand wir lagen, nach einer Stunde vorbeigezogen wäre, nur sah die Wirklichkeit anders aus. Das Regenband zog zwar weiter, aber da es sehr lang war, lagen wir immer, mehr oder weniger, genau am Rand und der Regen hörte einfach nicht auf. Auf die Aussicht im Dauerregen bei mäßiger Sicht nach Hel zu segeln, hatten wir keine Lust und so verbrachten wir einen ruhigen Tag an Bord.
Am Dienstag sollte es eigentlich besser werden. Aber ähnlich wie am vorherigen Tag, war es morgens am Regnen. Dies setzte sich bis zum Nachmittag fort und erst um 16:00 Uhr machten wir die Leinen los und segelten die 12 sm nach Hel. Wir hatten Windstärke 5 in Böen 6 und es hatten sich in der Danziger Bucht steile, kurze Wellen aufgebaut. Wir wurden schon etwas durchgeschüttelt und waren froh, als wir dann sicher im Hafen von Hel lagen.
Der Abend in dem kleinen Städtchen am Ende der Landzunge von Hel war dann überaus nett gewesen. Nach den Regentagen wollten wir uns etwas gönnen und die letzten Zloty verbraten und gingen in die vom Hafenmeister empfohlene Kneipe „Captain Morgen“. Vorher war noch die polnische Küstenwache bei uns und wollte wissen, wohin wir wollten. In erster Linie ging es darum, ob wir nach Kaliningrad wollten. Als wir das verneint und ihnen unsere geplante Route nach Klaipeda zeigten, meinten sie, dass der Umweg richtig wäre, aber das Wetter nicht ganz passen würde. Wieso, dass sollten wir am nächsten Tag erfahren.
Aber vorher ging es ins „Captain Morgen“. Der Tipp war Gold richtig, denn es ist eine ganz urige Seefahrer Kneipe, vollgestellt mit fast allem, was man auf Schiffen so finden kann. Hinzu kam, dass das Essen sehr gut war und ein Musiker Seemannslieder auf Polnisch spielte. Alle Tische waren besetzt, aber wir konnten uns noch zu einem Pärchen hinzusetzen. Da der Musiker ein selbstgefertigtes Liederbuch in ausreichender Stückzahl mitgebracht hatte, konnten die Kneipenbesucher mitsingen, was sie auch trefflich taten.

Das „Captain Morgan“ ist reich an Kuriositäten

Mit Gitarre und Mundharmonika sowie mit einer guten Stimme ausgestattet, wurden von ihm tolle Seemannslieder gesungen

 

Liederbuch mit über 260 Seemannsliedern auf Polnisch

Unsere Tischnachbarn entpuppten sich als ein Pärchen aus Hannover, die mit ihren Rädern einen Radurlaub an der polnischen Küste machten und in Danzig ihre Tour beenden wollten.
Es war ein sehr netter Abend, wir tauschten mit den Radurlaubern unsere Reiseerlebnisse aus und ersuchten den Refrain der Lieder, die gesungen wurden, in Polnisch so gut es ging mitzusingen. Es war dann kurz vor Elf, als wir uns auf den Weg zurück zum Boot machten.
Am Mittwoch machten wir uns dann auf nach Klaipeda. Vorhergesagt war Wind mit 4-5 Bf aus nordwestlicher Richtung, also hoch am Wind. Mit etwas Glück sollte es passen. Als wir die Landspitze von Hel gerundet hatten, mussten wir jedoch feststellen, dass sich die Situation für uns etwas ungünstiger als erhofft, darstellte. Die Wellen wurden immer höher und es war ein einziges Bolzen gegen Wind und Welle. Der Wind sollte im Laufe des Tages zwar abnehmen, aber nach 2 ½ Stunden stand es für uns fest, dass es einfach so nicht passte. Es machte überhaupt keinen Spaß und wir entschlossen uns den Törn abzusprechen und zurück nach Hel zu segeln.
Abends in Hel waren wir dann schon etwas geknickt. Da der Wind für die nächsten Tag aus Nord kommen sollte und somit für uns ungünstig stand, entschlossen wir uns schweren Herzens die polnische Küste entlang zurück zu segeln und dann nach Bornholm oder direkt nach Schweden abzubiegen.
Am Donnerstag machten wir uns auf den Weg nach Wladislawowo. Ein Blick in die Wetterapps versprach, dass der Wind doch eher aus West käme und erst später auf Nord drehen würde. Als wir dann unterwegs waren, die Landspitze von Hel gerundet hatten und ungefähr dort waren, wo wir am Tag zuvor umgekehrt sind, schauten wir uns tief in die Augen und entschlossen uns nach einigem Überlegen, doch noch Klaipeda zu segeln. Das es eine lange Tour werden sollte, war uns klar und Heißgetränke und Brote waren schon in weiser Vorschau vorbereitet. War der Wind am Vortag eher gegen uns, hatte er uns diesmal unterstützt. Die ersten 50 sm konnten wir hoch am Wind segeln zunächst zwischen 4-5 Bf und dann abnehmend auf gute 3. abends gegen 22 Uhr, kurz bevor wir den Kurs Richtung Westen wechseln wollten, drehte er dann plötzlich auf Nord und blieb dann mehr oder weniger konstant mit Stärken zwischen 3-5 bis zu unserem Ziel Klaipeda. Wir mussten dann noch, dass von Russland beanspruchte Seegebiet passieren. Aber außer einigen russischen Funksprüchen hatten wir keine Begegnung mit dem Militär. Dafür passierten uns aber mehrere große Frachter und ein Kreuzfahrtschiff in der Nacht und wir waren froh, als wir dann nach 30 Stunden und 135 sm in Klaipeda festmachen konnten. Soweit hatte alles gut geklappt, aber es war für uns doch auch etwas anstrengend und wir mussten im Hafen erstmal ein Nickerchen machen, bevor wir wieder einigermaßen ansprechbar waren.

22:00 Uhr auf See, 50 sm entfernt von der Küste, kein Land weit und breit

Wie es uns in Klaipeda gefällt, was wir dort erleben und wie es dann weiter gehen soll, wird im nächsten Blog berichtet.

4 Kommentare

  • Frank Beier says:

    Glückwunsch – bin als alter Meilenfresser begeistert. Macht Spass Euren Berichten zu folgen, freue mich schon auf die kommenden Tage.
    Frank aus Köln

    • Franz says:

      Hi Frank, ich hoffe ihr habt am See ebenfalls eine schöne Zeit? Zumindest die Fotos von der Freitagsrunde lass das vermuten 😉
      Für die Vorbereitung und Durchführung der 50-Jahr-Feier wünsche ich viel Erfolg. Schade, da wären wir gerne dabei gewesen.

  • Martin Alber says:

    Für die Crew der my dream immer eine Handbreit……..
    Als (Segel)Freund von Karl hat er mich auf Eure Reise aufmerksam gemacht und ich lese mit Vergnügen die Reisebeschreibungen! Das ein oder andere Foto saugt mich auf die See und an manchen Tisch, auf dem die Leckereien angeboten werden! Ab Samstag sind wir auf demselben Meer und wünschen Euch viel Glück auf der weiteren Reise. Auf dem Weg nach Marstal oder Maasholm werden wir Euer Kielwasser kreuzen.
    Möge der Wind Eure Segel füllen wünscht Martin

    • Franz says:

      Hallo Martin, Karl hat immer wieder mal von dir und seinen Segelerlebnissen gesprochen und nur „Gutes“ berichtet.
      Es freut mich, dass dir unser Blog gefällt. Vielleicht haben wir ja Glück. Ende August, Anfang September sind sollten wir auf dem Rückweg sein und vieleicht sehen wir uns ja wirklich.
      Es würde uns freuen! Viele Grüße aus Lettland Franz&Renate

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