Tag 10 – 12: NOK

von Franz / am 12.06.2019 / in Allgemein

Der Pfingstmontag fing für uns entspannt an. Niedrigwasser war für 13:47 Uhr angesagt und örtliche Segler hatten uns empfohlen mindestens noch eine Stunde im Hafen zu bleiben, bevor wir losfahren sollten. Das Warten liegt darin begründet, dass das Wasser noch nachläuft und wir dann gegen den Strom die Elbe rauf müssten.
So hatten wir Zeit am Vormittag einiges zu erledigen bzw. zu lesen oder auch den Blog zu schreiben ;-). Um halb drei am Nachmittag machten wir uns fertig und waren dann doch etwas überrascht, als wir aus dem Hafen fuhren, wie stark der Wind blies (5 Bf). Der Wind kam aus Osten und somit stand Strom und Wind gegen an und es baute sich eine gute Welle in der Elbmündung auf. Wir entschieden uns nicht die Elbe rauf zu kreuzen. Es wäre zwar sportlich anspruchsvoll gewesen, aber aufgrund der mangelnden Revierkenntnis und des, Tage zuvor von einem Containerschiff versenkten Holzschiffs, hatten wir nicht gesegelt, sondern fuhren unter Motor die Elbe rauf nach Brunsbüttel.

Auch wenn es nicht so aussieht, live und in Farbe ist das deutlich imposanter!

Strom gegen Wind, da kann die Gischt schon mal überkommen

Die spannende Frage, die uns bewegte, war, wie sieht es bei der Einfahrt in den Nordostsee-Kanal (NOK) aus? Es gibt dort für Sportboote keine Möglichkeiten fest zu machen. Stattdessen ist am Rand der Elbe ein Bereich ausgewiesen, wo man unter Motor mit seinem Boot warten soll. Hinzu hörten wir, dass es unter Umständen auch etwas länger dauern kann, bis man in die Schleuse hineingelassen wird. Was wird uns erwarten?
Relativ kurz vor dem Kanal überholte uns dann noch ein sehr großer Tanker, der von einem großen Containerschiff gefolgt wurde. Da hieß es den passenden Moment abzupassen, um die Elbe zu kreuzen. Womit wir aber nicht rechneten, war, dass zu der gleichen Zeit ein Küstenmotorschiff aus einer der Schleusen den NOK fuhr und in Richtung Hamburg schwenkte. Wir hatten ausreichend Abstand zur Ausfahrt, aber eine andere Segelyacht musste sehr schnell wenden, um nicht in die Nähe des Frachters zu kommen. Glücklicherweise ist nichts passiert.
Als wir den Wartebereich erreicht hatten, meldeten wir uns über Funk bei der Schleuse an. Wir hatten Glück, schon 2 Minuten später erhielten wir Einfahrt in die Schleuse. Neben uns fahren dann noch 5-6 weitere Segler in der Schleuse ein und nach gut einer halben Stunde konnten wir aus der Schleuse fahren. Da es bereits abends war, ging es direkt nach der Schleusenausfahrt in den kleinen Sportboothafen neben der Schleuse. Dieser hat eine sehr kleine Einfahrt, geschätzt 5 m breit und am Ende des Hafens ergattern wir noch einen Platz direkt an Land. Das war schon ein interessanter Platz. Ca. 20 – 30 m von unserem Liegeplatz entfernt fuhren die großen Schiffe in die Schleuse ein. So einen Anblick hat man auch nicht immer.

In der Schleuse Brunsbüttel

Das war unsere Aussicht auf die Einfahrt in die Schleuse

Besonders erfreut waren wir, dass wir für die Nacht nur 7 EUR bezahlen mussten und gleichzeitig die Kanalbenutzungsgebühr mit 13 EUR auch moderat ausfiel.

Am Folgetag ging es dann durch den NOK. Der Kanal ist 98,5 km lang und soll eine der meist frequentierten Wasserstraßen in der Welt sein. Wir entschieden uns nicht die komplette Tour an einem Tag zu machen. Bei km 65 liegt Rendsburg und dort wollten wir übernachten. Das Wetter am Vormittag war mehr oder weniger beschissen. Es regnet immer wieder und am späteren Vormittag nahm die Sicht ab, so dass wir die Positionslichter einschalten mussten.. Zwischendurch begegnen uns ab uns ein paar größere Schiffe, aber ansonsten blieb es doch ruhig.

Begegnung auf den NOK

Ein Jahrhundertsommer ist das bis jetzt noch nicht.

Gegen 13:00 Uhr fuhren wir dann in die Eider ein und machen kurz darauf im Eider Yacht Club fest. Der Club liegt in einer kleinen Bucht mit Blick ins Grüne und ist nur gut 1 km vom Stadtzentrum Rendsburg entfernt. Den Nachmittag hatten wir dann genutzt, um uns das kleine Städtchen anzuschauen. Besonders gut hat uns die St. Marien Stadtkirche gefallen. Nicht nur, dass sie von innen, entgegen vielen anderen norddeutschen Kirchen, sehr reich ausgestattet ist, darüber hinaus konnten wir der Musik von einem Streicherensemble beiwohnen, die dort im Altarraum für ein Konzert geprobt hatten. Die Musik war wunderschön anzuhören und unser erstes kulturelle Highlight für diese Tour.

Die Eider hoch in Richtung Rendsburg

Abends hatten wir dann noch im nahgelegenen EDEKA, der übrigens ein super Angebot hat, eingekauft und dort u.a. frischen Lachs erstanden. Erfreulich war, dass das Wetter zum Nachmittag immer besser wurde und wir den Abend mit Sonnenschein, einem Gläschen Wein von der Mosel und dem leckeren Lachs ausklingen lassen konnten.

Der Lachs war vorzüglich!

Am Mittwochmorgen ging es dann bei diesigem und nieseligem Wetter weiter den NOK entlang Richtung Kiel. Ich machte gerade ein paar Logbucheinträge, als ich kurz vor neun über Funk hörte, dass die Seebiene das letzte Boot wäre und danach der Kanal gesperrt würde. Seebiene, da war doch was? Richtig, ca. 20 min vorher hatte uns eine Motorjacht mit dem Namen Seebiene überholt. Ich meldete mich über Funk bei Kielkanal und musste erfahren, dass wir nicht mehr durchgelassen würden, weil es Kabelarbeiten im Bereich Königsförde gäbe. Wir machten dann in der Weiche Königsförde, das ist eine Passierstelle für die Schifffahrt, wo auch große Schiffe an Dalben festmachen können, an einem kleinen Steg fest. Kurze Zeit später kam dann noch ein Polizeiboot, dass andere Sportboote aufhielt, die vermutlich den Funk nicht gehört hatten und weiterfahren wollten. Nach 40 Minuten ging es dann weiter.
Wir fuhren dann mit 3 anderen Segelschiffen weiter und waren gegen halb zwölf in Holtenau und mussten auf die Einfahrt in die Schleusenkammer warten. Diesmal gab es aber einen Steg, wo wir festmachen konnten. Nach einer guten halben Stunde konnten wir in die Schleuse einlaufen und 20 Minuten später ging es dann weiter in die Kieler Förde mit dem Ziel Laboe, wo wir kurz nach eins im Jachthafen festmachten. Dort hatten wir uns bei der Schiffswerft Laboe telefonisch angemeldet, um das Saildriveproblem überprüfen zu lassen. Man hatte uns im Vorfeld gesagt, dass sie sehr viel zu tun hätten und eine Reparatur erst nächste Woche möglich wäre, aber wir sollten mal kommen und sie würden nachschauen.

Ausfahrt aus der Schleuse Holtenau

Also legten wir am Steg der Schiffswerft in Laboe, direkt neben einem riesigen Katamaran mit Schweizer Flagge an. Wir mussten etwas warten, bis der Meister kam. Er konnte sich auch keinen Reim auf den Ölverlust machen, tippte jedoch auf den Deckel für das Getriebeöl. Um dies zu überprüfen, wurde der Motor von einem Techniker gereinigt und anschließend mit einer Art Talkum eingesprüht. Dann sollten wir eine Probefahrt unternehmen und den Motor unter Volllast belasten, um zu prüfen, wo es leckt. In der Tat, als wir dann im Jachthafen wieder festgemacht hatten, konnten wir erkennen, dass am Deckel Öl austritt. Leider hatten die Mitarbeiter von der Werft dann schon Feierabend, so dass wir auf das fachmännische Urteil bis zum Folgetage warten müssen. Das ist aber nicht schlimm, da wir uns ohnehin überlegt hatten 2 Nächte in Laboe zu bleiben, um uns Kiel und Umgebung etwas anzuschauen und außerdem müssten wir auch mal wieder waschen. 😉

Dort, wo es um den Rand des Deckels etwas dunkler ist, kann man sehen wo das Öl hergeflossen ist

3 Kommentare

  • Dirk says:

    Hallo Renate, hallo Franz,
    da wird ich ja ganz neidisch… Laboe, unsere Heimat 🙂
    ihr seid eine Woche zu früh… Kieler Woche ist doch noch nicht.
    Dieses Jahr fällt das beste Volksfest für uns ja leider aus, aber nächstes Jahr werden wir Kiel wieder rocken!
    Ich wünsche Euch weiterhin eine tolle Zeit! Wetter wird ja auch besser!
    und immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel…..

    Viele Grüße
    Dirk

  • Markus says:

    Hallo Franz,
    echt spannend eure Berichte. Ich kriege Fernweh und Segellust.

    Gruß Markus

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